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Was sich die Frauen im Wochenbett wünschen

Neuling besuchte ich eine gute Freundin, die vor ca. 3 Monaten Zwillinge bekommen hat. Ich habe mich riesig gefreut, sie wieder zu sehen und natürlich die neuen Erdenbürger kennenzulernen. Wir unterhielten uns ohne Punkt und Komma, die ganzen Erlebnisse der Geburten ( ihrer und meiner) mussten schließlich detailliert besprochen werden ;-) und während wir so schnatterten, wurden die Kinder etwas unruhig, sie legte das eine Kind an die Brust und wir redeten leise weiter. Das zweite Kind machte nun auf sich aufmerksam und ich nahm es und trug es etwas durch das Zimmer, während wir weiter quatschten. Nachdem das erste Kind fertig gestillt wurde, "tauschten" wir die Kinder. Das 2. Kind war nun an der Brust, ich machte beim 1. Kind Bäuerchen und wir redeten und redeten...ihr merkt, wie die Frauen halt so sind. 

 

Nach paar Wochen nach diesem Treffen schickte mir meine Freundin eine Sprachnachricht, in der sie sich bei mir dafür bedankte, dass ich ihr mit den Kindern geholfen habe, wodurch der Besuch so entspannt und unkompliziert war, eben ganz anders als die meisten Besuche im Wochenbett. Natürlich streichelte es zuerst meinem Ego, doch dann kam ich echt ins Grübeln. Wenn sich die meisten Besuche im Wochenbett so verdammt anstrengend anfühlen und die meisten Frauen das Gefühl haben, die Gäste "bedienen" zu müssen und es demzufolge nichts mit Erholung zu tun hat, warum handhaben wir es immer noch so? 

 

Ich rede hier nicht von dem Besuch, der sich nicht nach Besuch anfühlt (also Eltern, Geschwister, Großeltern, ggf. Schwiegereltern). Also die Menschen, die einem sehr nahe stehen, zu den man ein tolles und inniges Verhältnis hat, die sich sozusagen Zuhause fühlen, sich selbst was aus dem Kühlschrank nehmen, der Mutter evtl. im Haushalt helfen (sie sollte es nämlich in den ersten Wochen nach der Geburt nicht tun) oder einfach mal das Baby halten, damit sich die Mama in Ruhe duschen kann. So ein Besuch ist natürlich willkommen und eine wahre Unterstützung für die Mutter, bzw. die Eltern.

 

Die Besuche, die sich so verdammt anstrengend anfühlen, sind die, die frischgebackenen Kuchen erwarten, ein gut gelauntes Baby, was niemals weint, eine entspannte Mutter und die länger als eine Stunde bleiben.

Sorry, aber sowas ist verdammt anstrengend. Die Mutter bleibt dann nämlich ewig bei dem Besuch sitzen, weil es ja unhöflich wäre, sich einfach in ein anderes Zimmer zurückzuziehen, während jemand da ist. Dabei wär ihr einfach mal nach Schlaf zumute. Nein, sie legt vielleicht noch in diesem Raum das Baby an die Brust, kriegt noch paar schlaue Ratschläge, wie sie es besser machen könnte oder bekommt noch eine Bemerkung zu ihrer Figur, ist dann total verunsichert, versucht sich ihre Tränen nicht anmerken zu lassen....naja, ihr wisst, was ich meine. So ein Besuch tut keiner Frau gut. Und man möge denken, dass sowas die Ausnahme wäre. Aber nein, da muss ich viele enttäuschen. Leider ist es die traurige Realität. Diesen Frauen geht´s beim nächsten Wochenbettbesuch nämlich nicht sonderlich gut und es dauert eine Weile, bis sie ihr Selbstwertgefühl wieder aufgebaut haben. 

 

Wisst ihr, was ich mir wünschen würde? Dass wir uns etwas von anderen Kulturen abschauen könnten. Da sind die Frauen so vertraut und so eng miteinander, dass es selbstverständlich ist, dass man sich nach der Geburt eines Babys hilft, OHNE, dass die Frau darum bitten muss.

Der nett gemeinte Satz: "Melde dich, wenn du Hilfe brauchst", ist zwar nett gemeint, mehr aber auch nicht. Kaum eine Mutter wird um Hilfe fragen, denn sie möchte ja nicht als inkompetent abgestempelt werden. Einfach mal eine warme Mahlzeit ( oder 2 oder 3) vorbei bringen oder mal paar Sachen einzukaufen...einfach so...ohne, dass sie erst fragen musste...das wär schön. Das würde ich mir wirklich wünschen. Für alle Mütter. Damit ihre neue Reise als Mama so entspannt wie nur möglich verlaufen kann. 

 

In diesem Sinne freue ich mich auf diese Reise mit euch. 

Eure Marina